Lombok statt Bali? Unser Reisebericht über Traumstrände, Inselleben und den Vulkan Rinjani

Für die Überfahrt von Bali nach Lombok haben wir die öffentliche Fähre genommen. Vorher hatten wir einiges darüber gelesen, dass das Ganze nicht so einfach ablaufen soll und man schnell an Scammer geraten kann. Am Ende war die Überfahrt aber deutlich entspannter, als wir erwartet hatten. Ganz offiziell fühlte sich der Ticketkauf trotzdem nicht an, denn die Frau am Schalter schickte uns zu einem Warung, um dort ein Ticket zu kaufen. Naja, im Endeffekt waren wir einfach froh, auf dem Schiff zu sein. Gemeinsam mit vielen Locals verbrachten wir rund sechs Stunden auf der Fähre.

Angekommen auf Lombok wollten wir uns einen Grab bestellen. Allerdings funktioniert das hier nicht so einfach wie auf Bali und so landen wir schließlich doch bei einem der zahlreichen aufdringlichen Taxifahrer.

Unser erster Eindruck von Lombok ist anders als erwartet. Eigentlich haben wir mit dem gleichen Flair wie auf Bali gerechnet, aber man merkt sofort: Hier ist es anders. Anstatt der vielen Tempel und Schreine sieht man hier Moscheen und anstatt der traditionellen Kleidung wie auf Bali laufen die Frauen hier größten Teils verschleiert herum, denn Lombok ist überwiegend muslimisch geprägt.

Auch die Landschaft wirkt auf Lombok anders. Statt dichtem Dschungel gibt es viele bewaldete Hügel und offenere Landschaften.

Wir haben vorher oft gelesen, dass Lombok das Bali von vor einigen Jahren sein soll. Für uns wirken die beiden Inseln im ersten Moment aber komplett unterschiedlich.

Secret Gilis

Nach einer einstündigen Fahrt erreichen wir unsere Unterkunft. Von dort aus haben wir direkten Zugang zum Meer und im Hintergrund ragt der Vulkan Rinjani empor. Atemberaubend ist diese Aussicht! Hier verbringen wir zwei Nächte in unserer kleinen Unterkunft.

Wir machen eine Tour zu den Secret Gilis – kleinen Inseln, die kaum oder gar nicht bewohnt sind. Wir schnorcheln vor den Inseln und sehen Hunderte von unterschiedlichen Fischen, bunte Korallen, unzählige Quallen (unser Guide nennt sie die Moskitos des Meeres – und das können wir so bestätigen, haha) und sogar eine Schildkröte.

Zur Mittagspause legen wir an einem traumhaften Strand mit weißem Sand an. Vor uns schimmert das Meer in den unterschiedlichsten Blautönen. Es gibt gegrillten Fisch, Reis und Gemüse. Gestärkt geht es nach einem letzten Schnorchelgang wieder zurück.

Kuta

Unser zweiter Stopp auf Lombok ist Kuta. Hier bleiben wir zum ersten Mal eine ganze Woche. Der Ort liegt ganz im Süden der Insel und soll die schönsten Strände Lomboks haben – das können wir absolut bestätigen. Mit dem Roller fahren wir durch die Gegend, vorbei an einigen Local-Dörfern. Dazwischen tauchen immer wieder beeindruckende Unterkünfte auf – genau die, die man sonst nur von Instagram kennt. Die Strände sind unglaublich weitläufig und das Wasser ist so ruhig, dass man entspannt baden gehen kann. Wer surfen möchte, wird mit dem Boot zu den Wellen hinausgefahren.

Immer wieder kommen Kinder und Frauen auf uns zu, um uns etwas zu verkaufen: „Extra cheap, only for you.“ Das Problem ist nur: Was sollen wir mit drei Armbändern, fünf Shirts und gefühlt hunderten Sarongs ?

Den ersten richtigen Realitätscheck bekommen wir, als wir in Kuta an den Strand gehen. Ohne Google Maps laufen wir durch die von den Einheimischen bewohnten Straßen, anstatt die Hauptstraße mit den schicken Cafés und Restaurants zu nutzen.

Wir laufen an einem Haufen Müll vorbei. Ein Fluss, der fast nur aus Plastikbechern, Mülltüten und anderem Abfall besteht, schlängelt sich durch die Gegend. Nur wenige Meter weiter stehen die einfachen Hütten der Bewohner. Das erinnert uns daran, dass hier viele Menschen unter sehr einfachen Bedingungen leben. Wir bekommen ein mulmiges Gefühl. Hierher verirren sich sonst kaum Touristen und wirklich willkommen fühlen wir uns in diesem Moment auch nicht.

Mit diesem Gefühl erreichen wir schließlich den Strand. Hier sind fast ausschließlich Einheimische. Das Meer ist wunderschön und wir freuen uns zu sehen, dass auch sie diesen Ort genießen – eine Aussicht, die für uns etwas Besonderes ist, für die Menschen hier aber zum Alltag gehört.

Das sind die Seiten eines Landes, die man als Tourist oft gar nicht sieht – oder vielleicht auch gar nicht sehen möchte. Wir reisen an die schönsten Orte, genießen die beeindruckende Natur und bewegen uns meist zwischen Unterkünften, Cafés und Sehenswürdigkeiten. Dabei vergisst man leicht, dass nur wenige Straßen weiter für viele Menschen ein ganz anderer Alltag beginnt. Gleichzeitig merkt man, wie wichtig der Tourismus für viele Menschen ist, die hier ihren Lebensunterhalt damit verdienen.

Die Lebenshaltungskosten sind hier extrem niedrig und viele Menschen verdienen nur wenig. Deshalb können schon ein paar Cent Trinkgeld einen Unterschied machen.

Neben all diesen Eindrücken entdecken wir natürlich auch die kulinarische Seite Lomboks. Eines unserer Lieblingsgerichte aus Indonesien ist Mie Ayam Bakso. In einem Warung direkt vor unserer Unterkunft bekommen wir zwei große Portionen der unglaublich leckeren Suppe mit Nudeln und Fleischbällchen sowie zwei Wasserflaschen – und zahlen dafür gerade einmal 2,20 €. Das muss man einfach probiert haben!

Mindestens genauso gut fanden wir Gado-Gado. Klingt erst einmal nach einem einfachen Salat, die würzige Erdnusssoße macht das Gericht aber richtig besonders.

Auch den frisch gegrillten Fisch können wir sehr empfehlen. Direkt am Straßenrand sucht man sich seinen Fisch aus, der anschließend frisch gegrillt wird. Anfangs waren wir etwas skeptisch, aber wow – war das lecker! Vor allem mit dem Knoblauchöl.

Zwischendurch nutzen wir die Zeit auch für ein paar Arbeitsstunden in einem Coworking-Space. Den Rest des Tages verbringen wir damit, Sonnenuntergänge von Hügeln oder direkt aus dem Meer zu beobachten. Genau solche Tage sind es, die das Reisen für uns so besonders machen.

Einen spontanen Ausflug machen wir auch zur Monkey Cave. Hier führen uns unsere „Guides“ zwei Jungs im Alter von 9 und 12 Jahren durch den Dschungel zu dem Großen Felsen. Den Eingang zur Höhle hätten wir alleine nicht gefunden. Durch die Engen Felsspalte kommen wir in die Höhlen, in denen hunderte von Fledermäusen hängen. Der Ausflug war unerwartet sehr amüsant.

Tetebatu

Unser letzter Stopp auf Lombok ist Tetebatu. Das kleine Dorf liegt ziemlich zentral auf der Insel und wirkt noch sehr ursprünglich. Die Menschen leben hier einfach und hauptsächlich von der Landwirtschaft. Für die Reisterrassen und Wasserfälle sind wir hierhergekommen.

Unsere Unterkunft ist das Mimis Homestay. Wir werden herzlich von unserem Host empfangen, der uns direkt unser gemütliches Zimmer zeigt. Zum Abendessen bestellen wir Chili Chicken und Urap-Urap - einen typischen Salat aus frischem Gemüse mit Kokosraspeln – richtig lecker! Hier fühlen wir uns sofort wohl.

Im Gespräch erzählt uns unser Host, dass er früher Guide war und Rinjani-Trekkings geführt hat. Er empfiehlt uns seinen Freund als Guide und verspricht, die Tour sei „easy“. Außerdem bietet er uns für den nächsten Tag eine Tour durch Tetebatu als kleines "Aufwärmprogramm" an. Unser Plan steht also fest: Morgen erkunden wir Tetebatu und übermorgen geht es auf den Rinjani.

Die Tour durch Tetebatu gefällt uns noch besser, als wir erwartet haben. Unser Guide führt uns durch die Reisterrassen und erklärt dabei Schritt für Schritt, wie der Reisanbau funktioniert. Hier wird noch viel von Hand gearbeitet – große Maschinen sucht man vergeblich.

Zwischendurch machen wir immer wieder Halt. Unser Guide gibt uns frisches Obst und typische indonesische Süßspeisen zum Probieren. Außerdem zeigt er uns Kakaopflanzen. Bevor Kakao verarbeitet wird, schmeckt die Frucht ganz anders, als wir erwartet hätten. Die Kakaobohnen sind von einer süßen, geleeartigen Fruchtschicht umgeben – wirklich spannend.

In Tetebatu wird unglaublich viel angebaut. In einem kleinen Café probieren wir frischen Kakao und Vanillekaffee. Beides schmeckt unglaublich naturbelassen und aromatisch. Neben Kaffee und Kakao wachsen hier auch viele Gewürze. Direkt am Straßenrand sehen wir Zimt, Vanille und Pfeffer. 

Auch die Wasserfälle sind wunderschön, wenn auch etwas zu kalt zum Baden. Durch die dicht bewachsenen Felsen fällt nur wenig Sonnenlicht. Am zweiten Wasserfall treffen wir auf einige Einheimische.Sie sitzen zusammen, genießen die Natur, spielen Gitarre, malen auf Leinwänden oder unterhalten sich einfach. Die Atmosphäre ist einfach entspannt.

Es ist ein richtig schöner Tag. Am Abend lernen wir schließlich Hermann kennen – unseren Guide für den nächsten Tag. Gemeinsam besprechen wir den Ablauf des Rinjani-Trekkings. Ein bisschen aufgeregt fallen wir an diesem Abend ins Bett.

Zwei Tage verbringen wir schließlich auf dem Rinjani. Dieses Erlebnis war eines der absoluten Highlights unserer Indonesienreise und verdient einen eigenen Beitrag. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, findest du hier unseren ausführlichen Reisebericht zum Rinjani-Trek.

Nach zwei Anstrengenden Tagen gefüllt vom Wandern und bestaunen der Natur sind wir bereit für ein bisschen Entspannung, dafür treibt es uns nach:

Gili Air

Gili Air ist eine der 3 bekannten Inseln nahe an Lomboks Küste. Am Hafen versucht uns direkt ein Local eine Fahrt mit dem Speedboat zu verkaufen. Wir sind natürlich informiert und wissen, dass es auch eine öffentliche Fähre für nur wenige Cent gibt. Also warten wir entspannt im Sand auf das kleine Boot, steigen knöcheltief im Wasser ein und erreichen nur zehn Minuten später den Hafen von Gili Air.

Gili Air ist eine kleine Insel, die man problemlos zu Fuß umrunden kann. Alles ist fußläufig erreichbar und insgesamt geht es hier deutlich ruhiger zu als auf Bali oder Lombok.

Roller gibt es hier kaum. Wir dachten, dass ausschließlich Fahrräder und Pferdekutschen unterwegs sind. Umso überraschter waren wir, als wir doch die vielen kleinen E-Roller entdeckten. Trotzdem bleibt die Insel angenehm ruhig und entschleunigt.

Unsere Unterkunft liegt ziemlich zentral, sodass wir jeden Ort der Insel in etwa zehn Minuten zu Fuß erreichen können. Entlang der Strände reihen sich gemütliche Restaurants und Bars aneinander. Außerdem kann man fast überall direkt vom Strand aus schnorcheln.

Dabei erleben wir eines unserer Highlights auf Gili Air: Wir entdecken zwei riesige Meeresschildkröten – bestimmt über einen Meter groß.

Den Rest der Zeit lassen wir es uns einfach gut gehen. Mit einer Kokosnuss in der Hand am Strand liegen, dabei Die drei ??? hören und einfach mal nichts tun – genau so fühlt sich Urlaub an.

Direkt neben unserer Unterkunft entdecken wir außerdem eine kleine Pizzeria, die unsere Lust auf westliches Essen stillt. Für ein paar Euro bekommen wir dort eine Pizza, die locker mit vielen italienischen Restaurants mithalten kann.

Eigentlich hatten wir für die gesamte Zeit eine andere Unterkunft gebucht, mussten diese aber spontan stornieren, weil sich unsere Reiseplanung etwas verschoben hatte. Am Ende landen wir in einer kleinen Eco Lodge. Die Anlage ist wunderschön, unser Zimmer dagegen sehr schlicht: eine kleine Holzhütte mit einer Matratze auf dem Boden, einem Moskitonetz und einem etwas klapprigen Ventilator. Die Duschen und Toiletten befinden sich draußen, sind aber sauber und völlig ausreichend.

Die Tage auf Gili Air verbringen wir hauptsächlich mit kleinen Spaziergängen über die Insel – wobei wir den Rinjani-Trek in den Beinen noch spüren – und entspannten Stunden am Strand.

Und damit geht unsere Zeit auf Lombok und den Gilis auch schon zu Ende. Mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck geht es schließlich mit dem Boot zurück nach Bali.


Unser Fazit zu Lombok

Vor unserer Reise hatten wir oft gehört, Lombok sei das Bali von vor einigen Jahren. Nach einigen Tagen auf der Insel würden wir das so nicht unterschreiben. Für uns sind die beiden Inseln völlig unterschiedlich – und genau das macht Lombok so besonders.

Lombok ist ursprünglicher, ruhiger und weniger touristisch. Hier erwarten dich traumhafte Strände, beeindruckende Reisterrassen, kleine Warungs mit unglaublich leckerem Essen und mit dem Rinjani einer der spektakulärsten Vulkane Indonesiens. Gleichzeitig haben wir hier aber auch Seiten des Landes kennengelernt, die viele Touristen nicht zu Gesicht bekommen.

Gerade diese Mischung aus beeindruckender Natur, authentischen Begegnungen und nachdenklichen Momenten hat Lombok für uns zu einem besonderen Reiseziel gemacht.

Lombok ist definitiv einen Besuch wert!



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Rinjani Trek - bekannt und doch ein Geheimtipp?!