Rinjani Trek - bekannt und doch ein Geheimtipp?!

Wenn man uns vor der Reise gefragt hat, worauf wir uns in Indonesien am meisten freuen und was wir dort unbedingt erleben möchten, ist unsere Antwort immer ziemlich eindeutig gewesen:

Ganz viel Zeit am Meer verbringen, die beeindruckende Natur entdecken, Tempel besichtigen und – vor allem – den Mount Rinjani besteigen.

Schon seit Beginn unserer Reiseplanung steht der Vulkan ganz oben auf unserer Bucket List. Mit seinen 3.726 Metern ist er der zweithöchste Vulkan Indonesiens und das Wahrzeichen Lomboks. Allein der Anblick des mächtigen Berges, den man von fast überall auf der Insel sehen kann, ist beeindruckend.

Unser eigentliches Ziel ist jedoch der spektakuläre Krater des Rinjani. Dort erwarten uns der leuchtend türkisfarbene Kratersee Segara Anak und der noch aktive Gunung Barujari, der wegen seiner Lage im Krater liebevoll als „Baby-Vulkan“ bezeichnet wird.

Genau darum geht es in diesem Beitrag. Wir nehmen euch mit auf unsere Wanderung, erzählen von der Planung und dem Ablauf der Tour und verraten, warum diese Route für uns ein echter Geheimtipp ist.

Ohne Training auf über 3.000 Meter?

Je näher unser geplanter Trek rückt, desto öfter stellen wir uns dieselbe Frage:

Ist das wirklich eine gute Idee?

Denn ehrlich gesagt sind wir alles andere als optimal vorbereitet.

Seit einigen Wochen reisen wir durch Indonesien – allerdings hauptsächlich auf dem Roller. Unsere Beine haben also eher Urlaub als Training.

Dazu kommt, dass wir bis jetzt überhaupt keine Tour gebucht haben. Wir wissen weder, welche Route wir gehen werden, noch wie viele Nächte wir überhaupt am Rinjani bleiben wollen.

Planlos nach Tetebatu

Schließlich führt uns unsere Reise nach Tetebatu, einem kleinen Ort am Südhang des Rinjani. Zwischen grünen Reisfeldern, Wasserfällen und kleinen Dörfern herrscht hier eine ganz andere Atmosphäre als in den touristischen Küstenorten.

Nur einen Plan für den Trek haben wir immer noch nicht - Also fragen wir unseren Host nach den verschiedenen Möglichkeiten. Er erzählt uns von einer einfacheren, zweitägigen Tour, die sein Freund organisiert kann.

Nach kurzem Überlegen fällt unsere Entscheidung:

Nicht die klassische Route. Nicht der höchste Gipfel. Nicht noch ein paar Stunden zum Nordhang fahren.
Sondern eine zweitägige Wanderung auf den Sangkareang – mit Blick in den berühmten Rinjani-Krater und deutlich weniger Wanderern als auf den bekannten Standardrouten.

Und plötzlich wird aus einer vagen Idee ein konkreter Plan.

In zwei Tagen beginnt also unser Abenteuer…

Der Start unseres Rinjani Treks

Montagmorgen, 9 Uhr.

Vor unserer Unterkunft steht wie besprochen unser „Ferrari“ – ein Van mit offener Ladefläche. Davor sitzt eine Gruppe Männer, die uns mit einem herzlichen Lächeln begrüßen:

Unser Guide Hermann, Lee und Mr. Teacher – unsere Porter – und ein Fahrer.

Wir verabschieden uns von unserem Host und steigen auf die Ladefläche. Nach etwa 20 Minuten Fahrt erreichen wir den Einstieg auf ungefähr 900 Metern Höhe. Hier endet die Straße – ab jetzt geht es zu Fuß weiter.

Die ersten Meter gehen wir ganz entspannt - Ein Trampelpfad durch den Dschungel. Lianen hängen neben uns, die Baumkronen geben Schatten und nur einzelne Sonnenstrahlen kommen durch.

Noch fühlt es sich an wie ein Spaziergang.

Hermann läuft vorneweg, als würde er den Weg im Schlaf kennen. Lee hinter uns – mit zwei Körben auf einer Holzstange, beide in Flip-Flops!

Mr. Teacher läuft hinter uns. Er ist zum ersten Mal als Porter dabei. Eigentlich ist er Lehrer und möchte bald als Guide arbeiten. Dabei würde er deutlich mehr verdienen als mit seinem Gehalt als Lehrer.

Wir machen hin und wieder Pausen und sammeln die ersten Höhenmeter.

Die Zeit vergeht schnell.

Es ist anstrengend, aber gut machbar. Ein paar kurze Pausen, trinken, weitergehen. Der Dschungel wird langsam offener, die Luft wärmer.

Wir denken noch: „Wenn das so bleibt, ist es echt entspannt.“

Links Lee, in der Mitte Hermann und rechts Mr. Teacher

Mittagessen im Dschungel

Gegen 13 Uhr machen wir Pause.

Lee, unser Porter und „Chefkoch“ zaubert uns Chicken Curry mit Reis. Frisch gekocht im Dschungel. Mhh!

Wir sitzen im Schatten, essen und schauen auf die Wolken, die langsam um uns herumziehen.

Die Männer sind entspannt, unterhalten sich mit uns, lassen uns aber auch viel Freiraum.

Langsam wird es anstrengend…

Nach der Pause verändert sich der Weg.

Es wird steiler, unregelmäßiger und teilweise rutschig. Die Sonne kommt stärker durch und die Höhe macht sich bemerkbar.

Das ist kein entspannter Spaziergang mehr.

Die Pausen werden häufiger, die Beine schwerer – und wir sind noch voll vom Mittagessen.

Mr. Teacher und wir kämpfen langsam vor uns hin, während die anderen beiden weiterlaufen, als wäre es nichts. Flip-Flops, gleiches Tempo, kein Stress.

Über den Wolken

Je höher wir kommen, desto mehr verändert sich die Landschaft. Der Wald verschwindet langsam und irgendwann stehen wir da:
Unter uns ein weißes Meer aus Wolken, darüber nur Himmel und Berge. Die Anstrengung ist sofort vergessen.

Die Aussicht ist überwältigend: Wir sehen zwischen den Wolken auf Lombok, die Nachbarinseln, den Mt. Agung und den Rinjani-Gipfel.
Es ist unglaublich ruhig. Keine Straßen, keine Menschen. Nur wir und der Wind.

Die Männer bauen unser Zelt auf und bringen uns Tee und Snacks. Wir dürfen keinen Finger rühren:
„Just Enjoy.“

Sonnenuntergang

Und dann geht die Sonne unter.

Das Panorama wird immer spektakulärer. Auf der einen Seite verschwindet die Sonne hinter dem Berg und taucht die Wolken und den Mt. Agung in orangefarbenes Licht. Auf der anderen Seite wird der Vollmond heller und die ersten Sterne erscheinen am Himmel.

Zum Abendessen gibt es Nasi Goreng.

Einfach, warm, perfekt nach so einem Tag. Wir sitzen zusammen, reden ein bisschen mit den Männern, aber alle sind müde.

Mit der Dunkelheit kommt die Kälte. Das Feuer hilft kaum noch, also ziehen wir uns in die Schlafsäcke zurück.Die Nacht im Zelt ist eher mäßig erholsam –  wegen der Höhe, der Müdigkeit und dem Gedanken, dass der Wecker in wenigen Stunden klingelt. Denn um 3:30 Uhr geht es wieder los.

Richtung Gipfel.

Noch bevor es hell wird, stehen wir wieder auf:
Dunkelheit. Kälte. Stirnlampe. Wir essen schnell Toast mit Marmelade, trinken Tee und machen uns auf den Weg. Der Boden ist jetzt komplett anders als am Tag zuvor: Rutschig, steil, lose Steine.

Über uns: nur Sterne.
Unter uns: ein Meer aus Lichtern in der Ferne.

Der letzte Aufstieg

Kein richtiger Weg mehr, eher Klettern als Wandern. Wir sehen Lichter rechts von uns in der Ferne – kleine Punkte, die sich langsam den Rinjani-Gipfel hochziehen.

Dann wird der Himmel langsam heller. Erst dunkelblau, dann rot.

Und knapp zwei Stunden später stehen wir oben.

Die Sonne geht langsam hinter dem Rinjani auf und wir stehen einfach nur da.

Voller Freude.

Der Krater liegt jetzt komplett vor uns. Der See wirkt viel größer als gedacht, dahinter der Baby-Vulkan, drumherum die gewaltigen Wände des Rinjani.

Und das fast für uns alleine: Nur eine andere Touristin mit ihrem Guide verschlägt es hier nach oben.

Wir machen ein paar Fotos und sitzen einfach so da.

Es ist kalt, aber wunderschön hier auf 3.200 Metern Höhe :)

Der ganze Weg nach oben hat sich gelohnt !

Der Abstieg zurück zum Camp

Der Rückweg ist überraschend hart. Der Sand und die Steine rutschen unter den Füßen weg, jeder Schritt kostet ein wenig Konzentration. Runter ist fast anstrengender als hoch. Zurück am Camp warten schon Tee und Bananen Pancakes auf uns. Einfach perfekt in diesem Moment.

Wir packen unsere Sachen zusammen und machen uns auf den langen Rückweg.

Jetzt merken wir erst richtig, wie weit wir gestern gekommen sind.

Die Beine sind schwer, die Füße melden sich.

Wanderstöcke werden jetzt unsere besten Freunde.

Ein letzter Stopp

Kurz vor dem Ende der Wanderung machen wir noch einmal Halt.

Unser letztes Essen während der Tour: Mie Goreng.

Mitten im Dschungel schmecken die gebratenen Nudeln wieder besser als alles andere.

Wir sitzen da, schauen uns an und merken langsam, dass das Abenteuer sich dem Ende zuneigt.

Unerwartete Begegnungen

Während unserer Wanderung haben wir außer ein paar Moskitos keine Tiere gesehen.

Fast am Pickup-Point angekommen laufen uns dann noch ein großer Affe und eine giftige Schlange über den Weg.

Gut, dass wir unseren Guide haben. Die Schlange war schon im Angriffsmodus :)

Zurück in Tetebatu

Und schon erreichen wir wieder den Ausgangspunkt.

Der Ferrari wartet auch auf uns.

Wir steigen auf die Ladefläche, erschöpft, aber glücklich – und auch froh, wieder unten auf den Straßen zu sein.

Die Fahrt zurück fühlt sich surreal an. Gestern noch mitten im Dschungel, jetzt wieder Straße, Motoren und Alltag.


unser Fazit

Der Rinjani Trek war für uns eines der schönsten Erlebnisse in Indonesien.

Ohne Training, aber mit viel Motivation war er gut machbar – und sicher deutlich weniger herausfordernd als der Weg zum Rinjani-Gipfel.

Was ihn besonders macht:

Wir waren fast die ganze Zeit allein unterwegs. Keine großen Gruppen von Touristen, keine überfüllten Camps. Stattdessen Natur, Ruhe und ein unglaublich persönliches Erlebnis mit unseren Guide und Portern.

Und genau deshalb würden wir sagen:

Der klassische Rinjani ist bekannt.

Aber diese Route über Tetebatu ist ein echter Geheimtipp.

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